Andachten

Meine Gedanken in diesen Tagen Freitag 20.03.2020

Liebe Gemeinde,

immer weniger ist das Motto dieser Tage: weniger Sozialkontakte, weniger Bewegungsspielraum und damit auch: weniger Lebensfreude. Das einzige, was derzeit steigt ist die Angst. Die Angst, dass man sich selbst infizieren könnte und die Angst, dass es jemanden aus der eigenen Familie treffen könnte. Hinzu kommen bei vielen Existenz-Ängste, wie es mit der Arbeit weitergehen wird, wie man in Zukunft über die Runden kommen soll.

Ja, natürlich ist es beängstigend, wenn man auch diejenigen ängstlich und ratlos sieht, die sonst berufsmäßig Gelassenheit und Zuversicht ausstrahlen, unsere Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft.

Wie gehen wir mit unseren Ängsten um? Es gibt Menschen, die in Panik verfallen, die Bilder von Hamsterkäufen sprechen eine deutliche Sprache. Andere versuchen, ruhig zu bleiben und ihren Alltag, der nun oft völlig anders aussieht als sonst, aufrecht zu erhalten. Andere lenken ihre Ängste in Wut um, irgendwer muss doch schuld sein an dieser Misere, Verschwörungstheorien machen die Runde. Wieder andere verdrängen ihre Ängste und leben so wie sonst auch, treffen sich mit Freunden oder machen sogar„Corona-Partys“ und schlagen alle Hinweise in den Wind.

Losung und Lehrtext für Freitag, 20. März 2020

Der HERR deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes.
Psalm 27,5

Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.
2.Korinther 12,10

Handlungsfähig bleiben. Heißt, sich zunächst zu fragen: Bin ich und meine Familie in dieser Situation mit allem ausgerüstet, was ich brauche. Habe ich ein Netzwerk, das mich im Zweifelsfall unterstützt? Oder brauche ich von außen Hilfe?Für manche von uns werden diese Fragen ganz existentiell, entweder weil sie als ältere Menschen jetzt nicht mehr so gerne in der Öffentlichkeit unterwegs sind, also auch zum Einkaufen nicht mehr hinaus gehen möchten. Oder manche von uns kommen vielleicht in Quarantäne und dürfen deshalb ihre vier Wände nicht mehr verlassen. Für all´ diese Fälle gilt, rufen Sie uns bitte an! Wir versuchen, Hilfe zu vermitteln. Es gibt Menschen in unserer Kirchgemeinde, die sich bei uns gemeldet haben, weil sie helfen wollen.

Wir Mitarbeiter der Kirchgemeinde haben angefangen, unsere älteren Gemeindeglieder anzurufen, falls dort Hilfe gebraucht wird. Aber oft fehlen die Telefonnummern. Auch wenn Sie diese Zeilen lesen und von einer Notsituation wissen, kontaktieren Sie uns! (Telefonnummern siehe unten) Wir versuchen zu helfen.

Melden Sie sich bei uns bitte auch, wenn Sie Hilfe geben können! Wir brauchen Ihre Unterstützung!

Unsere Kirchgemeinde möchte gerne Netzwerk für Hilfe sein, möchte gerne Hilfe koordinieren. Wir Christen sollen für andere da sein, vor allem für die, die in Not sind. Denn im Notleidenden begegnet uns Gott.

Aber vergessen Sie nicht, auch das Gebet ist eine Handlung, die dieser Tage außerordentlich wichtig ist: Beten Sie für unser Land, für unsere Menschen, besonders für unsere Kranken und für die, die sich um sie kümmern: Ärzte, Krankenschwestern und -pfleger!

Bedenken Sie im Gebet auch die, die das Leben in unserem Land aufrecht erhalten: Die Mitarbeiter/innen in den noch geöffneten Läden und Apotheken, die Alten-Pfleger/innen, die LKW-Fahrer, die Lebensmittel zu uns bringen, die Mitarbeiter/innen in Rathäusern und auf den Ämtern, im Wasser- und Stromwerk, bei Polizei und Armee und an den vielen Stellen, die unser öffentliches Leben aufrecht erhalten.

Ich grüße Sie mit einem Gebet von Karl Barth, das der Losung für den heutigen Tag zugeordnet ist:

Herr, unser Gott! Wenn wir Angst haben, dann lass uns nicht verzweifeln. Wenn wir enttäuscht sind, dann lass uns nicht bitter werden. Wenn wir gefallen sind, dann lass uns nicht liegenbleiben. Wenn es mit unseren Kräften zu Ende ist, dann lass uns nicht umkommen. Nein, dann lass uns deine Nähe und deine Liebe spüren.

Gott behüte Sie und alle Ihre Lieben!

Ihre Pfarrerin Claudia Wolf

Wie können wir Christen mit dieser Situation umgehen?

Als erstes: Unsere Ängste ernst nehmen. Gott hat uns die Fähigkeit, Angst zu empfinden, geschenkt. Diese Empfindung ist wie ein Warnschild: Vorsicht, du bist in Gefahr. Entscheidend ist nun, wie wir mit diesem Warnschild umgehen. Was in freier Natur vielleicht die richtige Reaktion war: Das panische Weglaufen, ist heute in unserer entwickelten Gesellschaft nicht mehr möglich. Gleichzeitig ist aber auch unser Reflexionsvermögen gewachsen. Wir können uns fragen: Was kann ich tun, um mich selbst zu beruhigen und angemessen auf die Situation zu reagieren? Sich selbst beruhigen ist wichtig. Nicht im Sinne von Einlullen, sondern in dem Sinn, dass man festen Boden untern den Füßen behält und handlungsfähig bleibt. Für mich als Christin ist dieser feste Boden mein Gottvertrauen. Ich bin in diesen Tagen laut und leise - in ständigem Gebet. Manchmal nur der kurze Gedanke: „Gott, du bist da, bleib bei mir!“ Manchmal ausführlicher: „Vater, du siehst meine Ängste, unsere Ängste, hilf uns aus dieser Situation heraus! Lass uns zusammenstehen, bleib bei deinen Menschen, heile die Kranken!“ Nein, es sind keine wohlgeformten Worte oder Sätze: Es sind meine kurzen Gedanken. Oft wirklich in der Stille. Aber sie helfen mir, mich immer wieder an Gott anzubinden. Es ist, als ob ich mit meinem Gebet einen Ort aufsuche, der inmitten des Chaos, der sich überschlagenden Meldungen, Ruhe und Frieden ausstrahlt. Es ist, als ob ich einen Ort aufsuche, von dem ich weiß, dass ich gehört und bedingungslos geliebt werde, ein Ort tiefer Gewissheit, nicht allein zu sein. Dadurch wird es sofort friedlicher in mir selbst. Ich muss meine Ängste nicht verdrängen, aber ich muss auch nicht panisch werden. Ich weiß, was immer geschieht, Gott hält mich, trägt mich, leitet mich.

Viele von uns sind jetzt zu Hause in Familie, da die Kinder nicht mehr in Schule und Kita gehen können. Es nicht leicht, angesichts dessen alles so zu regeln, dass der Alltag irgendwie doch weitergehen kann. Aber es ergeben sich auch neue Möglichkeiten: Mein Sohn hat ein Familien-Tagebuch begonnen, in das alle Familien-Mitglieder ihre Gedanken und Gefühle eintragen in diesen Tagen. Wenn wir miteinander beten, am Esstisch oder vor dem Einschlafen am Bett, dann werden auch diese Gedanken und Gefühle vor Gott gebracht.

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